DEREK JARMAN
GB 1987, 87 min, F/SW, OmU, D:Tilda Swinton, Spencer Leigh, Spring, Gay Gaynor, Mathew Hawkins
Die Vision vom Untergang Englands, angelegt in einem als atemberaubende Collage auf mehreren Ebenen gestalteten Filmessay, der Geschichte und Gegenwart Englands reflektiert, wurde auf Super 8-Material, welches später auf 35 mm aufgeblasen wurde, gedreht; assoziative Traumbilder verschmelzen mit dokumentarischen Aufnahmen zu einer radikalen Abrechnung mit der sozialen Wirklichkeit, die in ihrer Allgemeingültigkeit, Dichte und Intensität ihresgleichen sucht.
STAN BRAKHAGE
USA 1971, 32 min, 16 mm, stumm
MAYA DEREN
USA 1948, 12 min, 16 mm, SW
LUTHER PIERCE
USA 1989, 25 min, 16 mm
"Meditation über Gewalt" verschiedener Natur werden im Werk Brakhages vorgestellt, die ie Gewalt des Todes behandelt und die Gewalt, die man danach dem menschlichen Körper, in der Sezierung der Leiche, antut. Angesichts des Tabuthemas ruhig und klar registrierend, entwickelt der Film so eine Dynamik.Maya Derens MEDITATION ist ein ritueller Tanz, als das "körperliche Statement" eines metaphysischen Systems (Deren), und SODOM schließlich fügt der Palette Meditationen - ins nächste Programm üerleitende - zu schwuler Sexualität und Gewalt hinzu, die in ihrer Heftigkeit im Zeitalter von AIDS ein wesentliches Statement setzt.
KENETH ANGER
USA 1947, 15 min, 16 mm, SW
JEAN GENET
F 1950, 27 min, 35 mm, SW, stumm
PEGGY AHWESH & KEITH SANBORN
USA 1989, 37 min, 16 mm, SW
Drei klassische Streifen des Underground- und Avantgardefilms präsentiert dieses Porgramm, die den Phänomen von (in den den F&aum;llen der beiden frü,hen Klassiker, homosexueller) Sexualität und Gewalt nachforschen: THE DEADMAN, euphorisch als Aufleben eines "Underground-Geistes" gefeiert, und (ebenso wie SODOM) in eben eine Linie mit den beiden anderen Filmen des Programms gestellt. Stellt ausgehend von einem Text Batailles die Sexualität einer jungen Frau in roher, elementarer Weise dar. FIREWORKS und UN CHANT D'AMOUR zeigen das Gefangensein in der Sexualität und die darin eskalierende Gewalt, im zweiten Film zusätzlich in einem Gefängnis angesiedelt; in beiden Fällen (noch) mit Elementen des Traums durchsetzt, die der Radikalität aber keinen Abbruch tun.
FRANS ZWARTES
NL 1978, 73 min, 16 mm
PENTIMENTO, das Hauptwerk des bedeutenste holländische Avantgardefilmers Frans Zwartes, ist eine schonungslose Infragestellung menschlicher Kommunikation einerseits, und andererseits der Glaubwürdigkeit filmischer Erzä,hlung. In einer Atmosphäre latenter Bredrohung spielt sich in einem verlassenen Schlachthaus Merkwürdiges ab: junge, schöne Frauen sind in sonderbaren Versuchsanordnungen grausamen Torturen durch Äryte ausgesetzt; die Intentionen des "Wissenschaftlers" bleibt völlig im Dunkel. In der Kombination von angedeuteten Versatzstüen des Genrekinos ist PENTIMENTO - bei seiner Premiere ein Skandal, wie viele der in dieser Reihe gezeigten Filme - ein eindrucksvoller, offener Film, der aus dieser Potentialität der Lesarten seine Kraft schöpft.
PIER PAOLO PASOLINI
VF 1975, 117 min, 35 mm
In Pasolinis letztem Film vor seiner Ermordung, der Umsetzung des Endes in drei Höllenkreisen (nach Dante), wird die Handlung aus dem 18.Jahrhundert in die Endphase des faschistischen Italiens Mussolinis versetzt, wo vier "Stützen der Gesellschaft" - ein Priester, ein Richter, ein Präsident und ein Herzog - eine Gruppe von Jungen und Mädchen entführt, und drei Tage lang diese zu grausamen Martern und sexuellen Ausschweifungen nötigen. Die totalitäre Macht findet so auf kontroverse Art und Weise, ihre Vorstellung in der Unterwerfung der Körper.
JOHN MCNAUGHTON
USA 1986, 83 min, 35 mm
Der Serienkiller Henry, sein Wohngefährte Otis und dessen Schwester Becky bilden das Beziehungsdreieck dieses Films, in dem es keine Beziehungen mehr gibt. Wärend Otis ins Töten eingeführt wird und daran zunehmend Gefallen findet, verlieben sich Henry und Becky. In krassen Realismus zeigt HENRY das tägliche Leben und Morden; lakonsisch schildert er die Selbstverständlichkeit des heutigen Wahnsinns und seiner Bilder (z.B. Reality-TV). Der Verstörende Blutrausch des Finales läßt keine Katharsis, Hoffnung auf Veränderung, möglich erscheinen.
DAVID CRONENBERG
GB/CAN 1991, 116 min, 35 mm
NAKED LUNCH ist keine Übertragung, Verfilmung des gewaltigen Sprachexperiments William Burroughs; thematisiert wird statt dessen der Akt des Schreibens von "Naked Lunch":"Der Mensch als ein eigener Autor, das ist Utopie und Höllenvision der Postmoderne" (Georg Seßlen). Nach HENRY sehen wir den zweiten Kammerjäger: Bill Lee der versucht, auf seiner Schreibmaschine, die eine riesige Küchenschabe ist, zu arbeiten. Um das mythische Zentrum der Tötung von Burroughs' Frau im Drogenrausch und seine Reise in die Homosexualität rankt sich die krude Handlung in den adäquaten Bildern.
SHINYA TSUKAMOTO
J 1989, 67 min, 35 mm, OmU
SHINYA TSUKAMOTO
J 1991, 83 min, 35 mm, OmU
Tsukamotos Tetsuo-Filme liefern die Images von der Mutation des Menschen zur Maschine. Defintiv bedienen sie als atemberaubende Achterbahnfahrten die Cyberpunk-, Techno-, Männerphantasien. Als eines seiner Vorbilder nennt Tsukamoto David Cronenberg:"Wenn Burroughs in Naked Lunch von dem Filmschluß schreibt, visionenausl&ounml;sendes Zelluloid in den Venen, ins Gehirn 'rein , dann ist das dem Effekt von Tetsuo nicht unänlich - nur daß der Schuss nicht durch die Venen kommt, sondern ungefiltert durchs Auge direkt ins Hirn 'rein, keine Umwege ... . Nach Tetsuto ist ich ein Anderer. " Olaf Möller
CLIVE BAKER
GB 1986, 89min, 35mm, DF
SAM RAIMI
(EVIL DEAD) USA 1982, 89min, 35mm, DF
PETER JACKSON
NZL 1992, 101min, 35mm, DF
(EVIL DEAD) USA 1982, 89min, 35mm, DF
(EVIL DEAD 2) USA 1987, 82min, 35mm, DF
Splatter-Filme zeigen das Grauen in seinen kuriosesten Ausformungen, zugleich physich real und doch völlig abgehoben, jeglicher Realität entzogen, in obsessiver Weise wird die Hölle als zentraler Ort der menschlichen Existenz gleichsam beim Wort genommen. Wenn die Gewaltätigkeit des Genres kritisiert und deren verderblicher Einfluß konstatiert wird, so trifft diese Kritik in Filmen den Menschen, wenn in Wirklichkeit die real existierende Gesellschaft gemeint sein müßte. Im übrigen sind Splatter-Filme in der Lage, ungeheure Komik (nicht immer ganz freiwillig) zu verbreiten. In diesem Sinne werden vier Klassiker des Genres zur Probe aufs Exempel vorgestellt, auf daß aus den auf der Leinwand gezeigten ultimativen Schmerzen die ultimative Lust der Zuschauer erwachse.
DEREK JARAM
GB 1993, 74min, 35mm, OF
Eine einzige Woge aus Blau, durch sie hindurch, über sie hinweg, die Stimmen von John Quantin, Nigel Terry, Derek Jarman und Tilda Swinto die von AIDS erzählen, von den Symptomen der Krankheit medikamentösten Behandlung, vom blind werden des Derek Jarman; vom Sterben des Einzelnen und dem der Freunde, in poetischen Sprachexplosionen, hier Leben draußen, da Leben drinnen... Über allem, jenseits der Sprache, und seine Bedeutung aus ihren Äußerungen schöpfend, jenseits der konkreten Bilder, imagin&aum;r das Blau.